Urlaub Juni 2006 oder: Beim Segeln muss man flexibel sein!

 

 

Wir wollen uns aus unserem Urlaub zurückmelden, der so ganz anders verlief als geplant. Ich schicke voraus wir haben uns trotzdem erholt und hatten eine super Zeit. Frei nach dem Motto: Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.

 

Also eigentlich wollten wir ja Richtung England, Brighton, Kanalinseln, Mont St. Michel - das die grobe Planung, immer im Kopf, dass es nicht so kommen muss. Erstes Hindernis war dann die nicht funktionierende Toilette. Von zu Hause hatten wir schon eine neue Pumpe mitgebracht, die wir Samstag installierten, nach langem würgen war sie dann auch endlich installiert - Fehlanzeige, nichts tat sich, also muss es der Schlauch sein! Alles zu am Feiertag also am Montag Richtung Vallery en Caux in den UShip Laden (Le Havre war geschlossen - hatten wir vorher telefonisch abgeklärt) neuer Fäkalienschlauch! Den haben wir dann eingebaut nicht gerade eine tolle Arbeit, aber immer noch frohen Mutes - Funktionsprüfung - keine Reaktion. Also haben sich unsere schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet. Wir müssen mit der Balimara aus dem Wasser, da muss ein unbekanntes Objekt im Ausfluss stecken. Also Dienstag Krantermin organisiert, war nicht einfach, weil wir ja auch noch ein Gestell haben mussten, aber alles hat geklappt.  Wenn man dann schon mal raus ist, dann kann man auch das Unterwasserschiff, die Schraube........ Es gibt jede Menge Arbeiten, wenn das Schiff erst einmal an Land steht. Wir fanden auch die Schuldigen an der Verstopfung: zwei Miesmuscheln hatten sich im Ausfluss festgesetzt und sind dort gut gediehen. Es waren inzwischen ja schon Goldmuscheln, denn zwei Muscheln für 360 EUR sind ein wenig überteuert und dazu noch ohne Fritten! Aber so rechten Appetit auf die beiden Muscheln hatten weder Manfred noch ich. Wir haben sie wieder ihrem Element übergeben.

 

War irgendwie lustig so hoch auf dem Bock über der Marina mit Blick auf den Visiteurquai und das Meer. Wetter war ja super! So haben wir viele Reisende getroffen, die sich auf den Weg Richtung Süden machten, nette Gespräche geführt, Franzosen unser Schiff gezeigt und und und. Die Schifffahrtsschule machte gerade ein Seminar für Begleitpersonal auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen, da konnten wir zusehen und fachsimpeln. Ist nicht so einfach in eine Rettungsinsel einzusteigen und die auch noch umzudrehen, wenn sie umgekippt ist.

Freitag endlich schwamm die Balimara wieder in ihrem Element. Zuerst mal ins Basin zurück. Leider hatte der Wind bis auf Windstärke 7 in Böen aufgebrist und es kam wie es kommen musste: Wir standen quer und haben dabei SKOL die Selbststeueranlage demoliert und uns einen Kratzer geholt. Zum Glück hat es der Eigner ziemlich gelassen genommen. Er repariert die Anlage und schickt uns die Rechnung.

Spätestens da kam bei uns die Frage hoch: Haben Segelboote eine Seele? Ja, sie haben- zumindest unsere Balimara. Sie war bestimmt sauer, weil wir ohne sie ums Kap Hoorn gefahren sind und ist nun zickig! Oder liegt das an ihrem 13. Lebensjahr?

 

Ab Sonntag war dann totale Flaute und nach Ouistreham zu motoren hatten wir auch keine Lust. So sind wir mit dem Auto zum Mont St. Michel gefahren. War einfach super, sehr beeindruckend, diese Insel inmitten des Wattenmeeres. Von weitem sieht man sie schon, aber dann dauert es noch eine Zeit bis man ankommt. Mit uns waren ganz Amerika und Japan auf dem Fels. Sobald man jedoch abseits der Touristenpfade die Treppen erklimmt, fühlt man sich wie ins Mittelalter versetzt. Dann schlug das Wetter um, eine Kaltfont zog auf und die Kirchturmspitze war in Sekundenschnelle  in Nebelschwaden gehüllt – eine ganz eigene und mystische Atmosphäre, die diesem so einmaligen Platz entgegenkam.

 

Dreimal sind wir dann noch vor der Haustüre gesegelt. Wir wollten doch die neuen Segel ausprobieren, sie sind klasse, selbst bei schwachem Wind.

Im Laufe der zweiten Woche gab es ein Mini-Boote-Forum Treffen, Volker und Isa waren zum Zwischenstopp, zwischen zwei Terminen in Paris, in Fécamp. Wir gedachten Volkers Wahlspruch in angemessenem Masse.

Freitag kamen Freunde aus Bonn nach Fécamp (per Flugzeug und Bahn). Es war richtig klasse mit den beiden und wir hatten nette Gespräche und Abende.

 

Mitte Juni war dann das große Hafenfest ESTI VOILE.

Es war sonnig und es wehte ein lauer Wind. Im Hafen liefen wie in jedem Jahr ganz viele Oldtimer ein. Für Kinder (auch die großen) war wohl die GRAND TURK am interessantesten. Sie ist ein altes Kriegssegelschiff mit Kanonen, Rammböcken etc., genau wie im Film Fluch der Karibik. Die GRAND TURK war wirklich der Publikumsmagnet schlechthin. Die Kanonen wurden mit Platzpatronen bestückt abgeschossen, um alte Boote zu begrüßen bzw. die Uhrzeit anzusagen.

 

Am Samstag sind wir mit unserem Schiff losgezogen  und mit uns der ganze Hafen, nachdem auf jedem Schiff Altenheimbewohner verteilt waren. Wir wussten davon nichts, aber im nächsten Jahr wollen wir uns auch beteiligen. Seit vier Jahren läuft diese Aktion. Eine nette Geste, die den Menschen viel Freude bereitet hat, wie man an den glücklichen Gesichtern sehen konnte.  

Am Sonntag sind wir mit dem Oldtimer Schiff  „Tante Fine“ zur Schiffsegnung raus gefahren. Auf unserem Schiff war auch der Shantychor, das war wirklich sehr ergreifend. Als wir an der Kapelle Maria de Salut vorbeigefahren sind, haben alle den Hut abgenommen und sich mit einem Lied verabschiedet und Maria um eine gute Fahrt und Heimkehr gebeten. Danach ging es in einer Prozession am Seenotrettungsboot vorbei, wo der Pfarrer mit Kaplan und zwei Ministranten (werden wohl alle vorher auf Seetauglichkeit getestet) den Segen spendeten. Nun haben wir (fast) einen Heiligenschein. Schön war es in jedem Fall und unsere Freunde haben es auch sehr genossen. Erstaunlich, welch tiefe Gläubigkeit die Seefahrer haben!

 

Nun ist unser Urlaub vorbei. Viel ist nicht mehr davon übrig. Aber wir haben einen Trost: Nach dem Urlaub ist immer vor dem Urlaub und wir haben noch mehrere Wochenenden in Fécamp vor uns.