Überführung zweiter Teil

 

Von der Elbe bis Fécamp 30.05. – 21.06.03

 

In den letzten Tagen, vor Abholung unserer Balimara in Glückstadt, glühten nochmals die Telefonleitungen. Durch Zufall habe ich am Montag vor Himmelfahrt in Glückstadt angerufen, ob Alles soweit fertig wird. Die Äußerung „ja, es fehlt nur noch das Teil der Windfahnensteuerung am Rad, es soll aber Heute oder Morgen kommen“ ließen bei mir alle Alarmglocken bimmeln. So war es auch, nach weiteren Rückfragen und Telefonaten stellte sich heraus, das die falsche Windfahnensteuerung geliefert worden war und bereits angebaut. Was nun – bis Dienstag Abend liefen die Telefone heiß, leider ohne Erfolg nur mit richtigem Knatsch mit der Firma Windpilot, die ihr Produkt behalten kann.

Also runter mit dem falschen Kram und zur Kosmetik 4 hochglänzende Schrauben eingesetzt.

 

nur ein paar Dinge !

reisefertig, mit neuem Geräteträger, Radar, Windgenerator und Beschichtung

 

Am Freitag wollten wir keinesfalls noch mal starten, also haben wir nach reichlich Bastelei und Schlepperei unsere fertige Balimara nur aus dem tiedenabhängigen Glückstädter Binnen-Hafen bis in die Elbe gebracht und sind dort vor Anker gegangen.

 

Um 4 Uhr gings bei Hochwasser und wenig Wind aus NE im Schuss die Elbe runter und bis nach Helgoland. Der Fuselfelsen ist noch viel schlimmer als die Beschreibung ahnen lässt. Nur Nepp, Sauferei und schreckliches Volk. (Klingt vielleicht ein bisschen überheblich, aber wir sind am nächsten Morgen ganz früh wieder abgehauen.)

 

Der Wind war prächtig, mit 4-5 Bft aus östlichen Richtungen sind wir unter ausgebaumter Genua und Groß wie auf der Autobahn gen Westen gebraust. Nach 36 h in DenHelder angekommen, hatten wir den Autopilot zu Schrott gefahren, nur noch Mahlgeräusche und Krachen. Das blöde Ding kann man überhaupt nicht aufmachen geschweige denn etwas daran reparieren.

 

Die Marina in Helder ist eine sterile Marine Jachtclubeinrichtung, aber bestens geeignet um wieder mal vernünftig auszuschlafen und zu duschen. Von hier gings nach Scheveningen, ein Abstecher mit der Straßenbahn nach DenHaag lohnt sich(!) und weiter bis zur Roomportsluice, ein trister Ort, aber ein kostenloser Wartestegplatz ist für eine Nacht auch nicht zu verachten.

 

die schönste Ansicht von Zeebrügge

Zeebrügge in Belgien war unser nächster Hafen, so was Trostloses und wir hatten gehofft nach der Schleusennacht etwas mehr für Augen, Mund und Nase zu erleben. Zum Einkaufen gabs da auch nur das notwendigste. Die Weiterfahrt hat bei gutem Wetter, was wir übrigens fast die ganzen 3 ½ Wochen hatten, begonnen. Wind 2-3Bft aus einer angenehmen Richtung und Sonne. In Höhe von Niewport unser geplantes nächstes Ziel waren wir noch 3 h vor Niedrigwasser und ca 2 ½ h von Dünkirchen entfernt. Also beschlossen wir bis dorthin weiter zu segeln. Es kam wie es kommen musste, wir waren vielleicht 2 oder 3 Meilen gekommen, der Wind nahm beständig zu und drehte uns voll auf die Nase. Zuerst haben wir das einer schwarzen Wolke die am Himmel aufgezogen war zugeschrieben, das hat sich allerdings nicht bestätigt, es wurde mehr und mehr und wir waren mitten in den Flamse Banken. Bei Böen um 8-9 Bft hat das Groß angefangen eizureißen, zum Glück haben wir das gleich bemerkt und konnten beim „Rodeo“ das Groß bergen. Die Böen haben noch etwas zugelegt und die Sicht fiel unter 200 m, ein vorausfahrender Franzose war unser Fixpunkt. Immer hinter ihm her erreichten wir 3 Stunden später pitschnass, mit ´ner kräftigen Portion Wasser im Schiff und fix und foxi Dünkirchen. Inzwischen hat auch unser GPS den Geist aufgegeben.

 

Der weiter Verlauf der Reise war nicht mehr so dramatisch und ohne weitere Ausfälle, reicht ja auch, oder?

 

Calais mit seinem Fährverkehr hatten wir uns schlimmer vorgestellt, es war noch zu ertragen und zu beherrschen. Nach Calais kam Boulogne, das nach dem Bau des Kanaltunnels in Dauerschlaf versetzt wurde, mit seinem bestialisch stinkenden Hafen, aber einer schönen Altstadt. In der zweiten Nacht sind wir mit Hochwasser ausgelaufen und nach LeTréport gesegelt/gefahren.

LeTréport, vor der Schleuse fällt der Hafen trocken, kaum zu glauben, wir sind 2 Stunden vorher hier reingekommen.

Da war endlich wieder gute Luft und ab jetzt wurde die Landschaft richtig schön. Steile Felswände zum Meer mit Einschnitten, in denen schnuckelige verträumte Dörfer und Städte liegen, die man teilweise, wenn auch nur kurze Zeit vor und nach Hochwasser, anlaufen kann und in geschützten, mit Tor oder Schleuse gesicherten, Häfen festmachen kann.

 

Wir sind ganz gemütlich weiter und haben uns von Hafen zu Hafen durchge“fressen“.

St Valéry-en-Caux

Nach Dieppe kam St Valéry-en-Caux bevor wir in Fécamp eingetroffen sind.

 

Von Dieppe bis Fécamp fuhren wir im Konvoi mit Kleine Briese eine Malö 39 aus Cuxhaven, schönes Schiff, Jens und Klaudia waren damit unterwegs nach Portugal, hätten gerne getauscht. Die Beiden waren sehr nett und wir haben uns gut verstanden. Ein weiterer Abschied, einer von vielen ??

 

Fécamp hat uns mit einem Hafenfest anlässlich der 40 jährigen Städtepartnerschaft mit Rheinfelden, was uns ja auch ein wenig bekannt ist, empfangen. 3 Tage sehr nettes Programm mit vielen Aktionen zu Wasser und zu Lande. Es war ein richtig schöner Empfang nur für uns, oder?

 

Ansteuerung von Fécamp

Fécamp

Zusammenfassend können wir sagen, die Überführung war zwar etwas holprig, aber erfolgreich. Das Wetter überwiegend gut bis sehr gut, der altersschwache Teil unserer Ausrüstung ist erwartungsgemäß nicht unbeschadet über die Runden gekommen, aber wir bereuen bis jetzt - Nichts.