30. Mai bis 10. Juni 2004 Isle of Wight und Solent

Am Samstag 29.05. wurde der restliche Proviant gebunkert und am Nachmittag gings mit dem Hochwasser raus in den Ärmelkanal. Leider war uns Rasmus , trotz vieler Opfer, nicht gut gesonnen, er hatte nur Flaute und Regen im Angebot. So what, der Autopilot mußte zeigen was er konnte. In den nächsten beiden Stunden hat glücklicherweise der Regen aufgehört und es wurde etwas angenehmer. Im Laufe der Überfahrt haben Wolken, diverse Nebelbänke und jede Menge Frachter in leichtem Wechsel den Ablauf der Nacht bestimmt.

Am Sonntagvormittag waren wir vor Cowes angekommen und haben uns erst mal auf einen „ruhigen“ Ankerplatz zum Ausschlafen gefreut. Denkste! – rollig und ein paar Idioten haben in alten Armeeflugzeugen mehrere Stunden lang immer wieder ausgerechnet den Ankerplatz als Ziel ihre Runden für die Probe zur D-Day show benutzt.
Genervt konnten wir am späten Nachmittag einen Platz in der East-Cowes-Marina im Päckchen ergattern. Wichtige Lernerfahrung – Freitags in einen Hafen einlaufen und bis Sonntag fest (zementiert) liegen, denn am Wochenende sind in England Tausende unterwegs! Das half uns bei den nächsten Wochenenden auch ganz gut.


Royal Yacht Club Cowes


Cowes eignet sich sehr gut als Ausgangspunkt die Insel mit einem Mietwagen zu erkunden. Die Isle of Wight ist wie ein großer Park mit vielen kleinen Ortschaften und Städtchen die sehr sehenswert sind. Was etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist die Tatsache, daß die auf der falschen Straßenseite fahren und die Mietwagen das Steuer rechts und die Schaltung links haben. Nach den ersten 50 km gewöhnt man sich dran.

Von Cowes ging es quer über den Solent nach Swanwick um dort in der Moody-Marina eine Reparatur am Schiff ausführen zu lassen. Die Werft ist absolut gut, preiswert und zuverlässig. Wir nutzten die Reparaturzeit für einen Tagesausflug nach Southampton.

Newtown River


Weiter ging die Reise nach Newtown River, nach der Beschreibung ein einsamer, ruhiger und bildschöner Ankerplatz auf der Isle of Wight. Das einzige was stimmte war bildschöner Ankerplatz, den wir mit ca. 50 anderen Schiffen, Segler und MoBos, teilen mußten. Und es kam wie es kommen mußte, als am Abend die Tide ihren niedrigsten Stand hatte, saßen wir größtenteils im Mud fest. Bei steigendem Wasser schwammen „die mit geringerem Tiefgang“ natürlich früher auf und drehten sich mit der Strömung – die Fender und Schlauchboote haben gerade ausgereicht schlimmeres zu Verhindern. Dieses Spiel hat sich in der Nacht mit einer unglaubliche Präzision wiederholt. Für die schlaflose Nacht durften wir dann auch 5 Pfund an den Hafenmeister bezahlen.

Beaulieu-River – Bucklers Hard


Nächste Station – Beaulieu-River – eine Marina (Bucklers Hard) mit „Freudenhauspreisen“ 28 Pfund gleich 42 Euro für eine Übernachtung! Die sanitären Einrichtungen waren entgegen den Aussagen im nautischen Reiseführer schmutzig und so nicht akzeptabel. Entschädigt wurden wir durch die Landschaft, der Beaulieu River ist wirklich ein „Highlight“. Nelsons Flotte wurde dort gebaut und man kann noch viele Details einer alten Werft erkennen, die entsprechend gepflegt werden. Ein Museum in dem die Schiffsbaugeschichte der Region dargestellt wird ist ebenfalls vor Ort.

Im Solent

Oldtimer in Yarmouth


Von Bucklers Hard gings wieder über den Solent nach Yarmouth, den westlichsten Hafen auf der Isle of Wight. Überraschend günstig, für englische Verhältnisse, am Schwimmsteg zahlten wir 11,50 Pfund gleich 17,25 Euro, allerdings ohne Wasser und Stromanschluß und für den Landgang braucht man das Beiboot, wenn man nicht das Wassertaxi (2 Pfund pro Person Hin- und Rückfahrt) nutzen möchte. Der ortsansässige Yachtclub hat vorzügliche sanitäre Anlagen und es war eine Freude dort zu duschen.

Nach zwei Tagen hatten wir eine günstige Wettervorhersage, westliche Winde 3-4, für die Rückfahrt nach Fécamp und entschlossen uns am Nachmittag mit der richtigen Tide und Strömung abzulegen. Es ging durch den Solent mit bis zu 3 Knoten Schiebestrom, daher hatten wir den ersten Plan, westlich vorbei durch die  Needles zu fahren, geändert. War auch gut so! Der Wind hielt durch bis ungefähr Mitte Kanal und hat dann in der Nacht so weit nachgelassen, daß die letzten 50 Meilen wieder die eiserne Genua übernehmen mußte.

The Needles

Gut erholt, etwas übernächtigt und hungrig sind wir am Donnerstag 10.06. schon wieder zurück gewesen.

Fazit: England ist sehr teuer, Marinas fast nicht bezahlbar 21-28 Pfund gleich 31,50 bis 42 Euro pro Übernachtung für ein 10,52 m Schiff. Essen gehen ist nahezu unerschwinglich, oft bezahlt man sehr viel Geld für schlechtes Essen. Einkaufen im Supermarkt – gleiches Preisniveau wie in Deutschland. Alkoholische Getränke muß man mitbringen! oder Millionär sein. Das einzige was (noch) günstig ist, ist Schiffs-Diesel für umgerechnet 45 EuroCent/l.

Trotzdem: Die Reise war sehr schön und wir werden sicher wieder dorthin fahren.

Reiseunterlagen – McMillen Almanach (unerläßlich),
- englischer Sportbootkarten-Satz Isle of Wight und Solent (sehr zu empfehlen),
- div. Karten Kanal