Balimara Tour 2008 - Teil 1

Fécamp - Samstag, 16.08.2008 10:15 die Écluse Bérigny öffnet 2 h vor Hochwasser, Ernst und ich legen ab, Barbara wünscht uns eine gute Reise und winkt hinterher, ich glaube sie wäre am liebsten mitgefahren.

Erst mit Strom und mäßigem Wind später nahm er etwas zu in Böen bis 5 Bft waren wir recht schnell in Dieppe. Am nächsten Tag sollte es mit der Tide von Dieppe nach Boulogne gehen, der Wind stand gut, durchweg 4-5 Bft manche Bö etwas mehr, da achterlich eine Freude zu segeln. Leider hatte sich die See auf 2-2,5 m aufgebaut, aber es war noch erträglich.

Die nächsten zwei Tage hielten uns Wind (6-8 in Böen mehr) und See (3-4 m) in Boulogne fest, wir hatten keinen Grund zur Eile.Wir nutzten die Gelegenheit eine kleine Reparatur auszuführen.

Am Mittwoch, 20.08. war dann die Schmerzgrenze etwas höher gerutscht, wir wollten los, obwohl es noch mit 6-7 Bft blies und 3-4 m Wellen standen. Die 42 sm nach Dünkirchen haben wir dann mit achterlichem Wind und kleinem Segel in 6 Stunden zurückgelegt. Am nächsten Tag nahmen Wind und Wellen homöopathisch ab und mit der Strömung ging es durch die Flämischen Bänke mit rasanter Geschwindigkeit nach Zeebrügge. Wohlbehalten angekommen durften wir in dieser Nacht insgesamt 3 mal das Schiff verlegen, da der Hafen ziemlich voll und die Anlegemöglichkeiten recht spärlich waren, erst am nächsten Morgen bekamen wir einen ruhigeren, freien Liegeplatz vom freundlichen Hafenmeister zugewiesen. Hier konnten wir auf die Mädels warten.

 

 

Balimara Tour 2008 - Teil 2

Samstag, 23.08.2008 - 7:00 Uhr Verteilerkreis Köln. Hier treffe ich mich mit Yvonne, die uns die zweite Woche auf der Segeltour in Richtung Glückstadt begleiten will. Manfred und Ernst sind bis Zeebrügge gekommen. Die Fahrt ging ganz flott. Unterwegs hatten wir einen Hauch von Hoffnung, dass wir vielleicht ein wenig Sonnenschein bekommen, aber das war nicht der Fall. Zeebrügge empfing uns mit einem kräftigen Regenschauer.

Vorräte und unser Gepäck wurden verstaut. Ernst ging von Bord, ihn wollen wir am Ende der Reise wieder in Glückstadt treffen. Am Abend gab es Kaptains-Dinner - Manfred lud seine weibliche Crew zum Essen ein. Sonntag in der Früh ging die Reise weiter ca. 160 sm Ziel Oudeschilde auf Texel. Am Montagmorgen (25.08.08) kam Texel in Sicht. Manfred wollte den Motor starten, lautes Getöse und Gerumpel und nichts ging mehr. Erste Diagnose: Getriebeschaden.

Was tun? Die Entscheidung stand ziemlich schnell fest, durchstarten und ohne Zwischenstopp nach Glückstadt segeln. Wir informierten Sven Falk von der Glückstädter Yachtwerft, dass er uns in den Hafen schleppen sollte, wenn wir da wären. Aber erst einmal einen ruhigen Ankerplatz suchen, ein paar Stunden schlafen. So haben wir unter Segeln geankert, danach ein paar Stunden an der Matratze gehorcht. Zur Weiterfahrt wollte Manfred unsere Windfahnensteuerung installieren. Da sah er einen dicken Tampen am Heck. Nun war der Verursacher gefunden. Manfred in die kalte Nordsee und mit viel List und Tücke konnten wir den Tampen aus der Welle und dem Propeller entfernen. Wir starteten den Motor, er lief wieder, wenn auch mit ziemlicher Vibration. Die Ruderwirkung war immer noch eingeschränkt.

Ganz überrascht hat uns das Auftauchen des Seenotrettungsbootes. Der Hafenmeister von Oudeschilde hatte uns beobachtet und schickte die Seenotrettung zur Sicherheit zu uns. Danke dafür, schon alleine für das Wissen, dass Hilfe kommt, wenn man sie braucht.

Da es ziemlich aufbriste, wurde es höchste Zeit den inzwischen ungemütlichen Ankerplatz zu verlassen. Nun fiel auch noch die Ankerwinde aus, also 30 m Ankerkette von Hand hoch holen. Der Anker hatte sich so festgebissen, dass der Ankerstock unseres Bügelankers verbogen war.

Bei diesem ungemütlichen Wetter wollten wir die Fahrt nicht fortsetzen und lieber im sicheren Hafen noch mal für den Rest der Reise Kraft tanken.

In der Hafeneinfahrt kam uns ein Saugbagger entgegen, der nicht enden wollte. Wir verlangsamten die Fahrt. Durch unsere Manövrierbehinderung wurden wir vom Sog des Baggers mit Wucht an die Hafendalben gedrückt. Ergebnis: Geborstene Scheuerleiste an der Steuerbordseite, Kratzer und Risse im GFK. Nach diesem Tag wussten wir alle, dass die Bedeutung des Sprichwortes "Ein Unglück kommt selten allein" richtig ist.

Nach einer durchschlafenen Nacht, waren wir am Dienstag alle gut ausgeruht und weiter ging es nach Glückstadt. Unsere Stegnachbarn machten ganz große Augen, als sie hörten wir segeln in einem Rutsch durch. Die Männer bekamen glasige Augen und die Frauen schüttelten ein wenig mit dem Kopf. In dem Augenblick wusste ich nicht, wurde Manfred um die zwei Damen an Bord bemitleidet oder beneidet.

Aber schon ging es Leinen los und weiter, guter, raumer Wind für die nächsten 210 sm.

Die Nacht war ziemlich dunkel, aber entlang der Küste ging es mit Hilfe der Leuchttürme recht gut. Es war viel Schiffsverkehr, aber es sollte noch heftiger werden. An Cuxhaven vorbei ging es die Elbe aufwärts. Leider kamen wir nicht so gut voran und schließlich war es schon dunkel als wir an der Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals vorbeikamen. Es war wahnsinnig viel Schiffsverkehr. Yvonne hatte alles im Griff. Ich konnte in der Dunkelheit die einzelnen Schiffe nicht mehr auseinander halten und sah nur noch Lichtergewirr vor mir. Endlich gegen 23 Uhr kamen wir in Glückstadt an - geschafft, erleichtert und froh unbeschadet am Ziel zu sein.

Uwe empfing uns schon am Pier und nach ein paar Gläsern Portwein sah die Welt schon anders aus. Am Donnerstag war aufräumen, organisieren etc. angesagt. Manfred brachte mit Uwe unser Segel zur Reparatur und die schweren Sachen nach Bützfleth zur Einlagerung. Yvonne und ich bummelten durch die hübschen Geschäfte in Glückstadt und am Abend ein schönes Abschlussessen im Restaurant Kandelaber - für die Fischliebhaber an Bord Matjes satt!

Am Freitag kamen schon Herr Dittmer,  der Riggmacher,  Sven Falk von der Yachtwerft Glückstadt und am Samstag auch noch die Polsterin Frau Otto an Bord. Alle Gewerke sind besprochen und nun können wir uns zurücklegen.

Sonntag kam die Familie zu Besuch. Edgar und Maria holten den Rest der Klamotten ab. Petra und Holger kamen auch noch. So verbrachten wir einen gemütlichen Nachmittag en famille! Dann kam der Anruf von Ernst. Unser Auto ist nur ca. 20 m gefahren und springt nun nicht mehr an. Petra und Holger waren noch da und so konnten wir am Flughafen in Hamburg ein Auto mieten. Noch ein Sprichwort was sich bewahrheitet hat: Was schief gehen kann, geht auch schief.

Inzwischen sind wir gut in Bonn angekommen. Unser Auto läuft wieder. Manfred ist auch schon wieder arbeiten und ich bewältigen einen Berg Wäsche. Alles soll schier sein, wenn es Anfang April wieder heißt: BALIMARA LEINEN LOS