Balimara auf Landgang - Herbstzeit = Trüffelzeit in Alba

Wie lange ist das schon her, seit wir das letzte Mal in Italien waren? Zu lange - das war die einhellige Meinung von Manfred und mir. In diesem Jahr musste es mal wieder sein - Piemont im November!

Diese Reise ist ein Fest für alle Sinne. Kaum sind wir durch den Gotthart Tunnel strahlt die Sonne um die Wette, ja wenn Engel reisen …..

Unser erstes Ziel war Alba. Für Feinschmecker ist Alba mit seinen berühmten Trüffelmarkt und den wunderbaren Piemontesischen Rotweinen verbunden. Schon die Anfahrt ist ein wahrer Genuss. Von den umliegenden Hügeln sieht man die von den Geschlechtertürmen geprägte Silhouette schon von weitem. In den belebten mittelalterlichen Gassen glaubt man, die Zeit ist stehen geblieben, fast wie überall im Piemont. Der Duft von Trüffel, Schokolade und Wein ist überall wahrnehmbar.

Unsere Unterkunft war noch ein Sahnehäubchen oben drauf - Palazzo Finati, eine kleine, aber feine Albergo mit 9 Zimmern. Besser hätten wir es nicht treffen können. Die Besitzerin schafft eine besondere Atmosphäre, dass sich der Gast richtig willkommen und wohl fühlt. Nun noch in der Bar an der Piazza del Risorgimento einen Apero, dann ist die Welt in Ordnung.

Am Sonntag waren überall in der Stadt Stände aufgebaut. Man konnte von Lauchstangen, über Nudeln, Wein bis hin zur langen Winterunterhose oder Dessous alles kaufen - ein  einzigartiges Erlebnis, was uns in Deutschland immer so fehlt. Am Nachmittag war dann ein Wettkampf der Fahnenschwenker auf der Piazza angesagt. Ein buntes Ereignis, das mit sehr viel Eifer und Ernst von den Teilnehmern und Zuschauern verfolgt wurde.

Von Montag bis Mittwoch waren wir dann in Neive. Auf der Fahrt dorthin kamen wir in La Morra bei der Cantina Rocche Costamagna vorbei. Dort hatten wir damals vor 15 Jahren unseren ersten Barolo gekauft. Natürlich wurden da ein paar Kisten eingeladen und eine Flasche Barolo Chinati, der als Digestiv mit dunkler Schokolade so lecker schmeckt. Inmitten der Weinberge und ganz versteckt findet man die unverwechselbare bunte und eigenwilligste Schutzhütte der Welt - Capella delle Brunate. In Zusammenarbeit mit dem Besitzer renovierten und bemalten die Künstler David Tremlett und Sol LeWitt diese außergewöhnliche Kapelle. Es lohnt sich dorthin zu fahren, zumal man von der Kapelle aus einen wunderbaren Blick auf die Landschaft und die Weinberge hat.

In Neive lebt der kauzige Grappaproduzent Romano Levi, dessen Grappa sehr begehrt ist, vor allem wegen der künstlerisch gestalteten Etiketten. Das La Contea gehörte mit zu unserer Nostalgietour - und es war genau so schön und einzigartig wie wir es in Erinnerung hatten.

Am Sonntag schon hatten wir auf dem Markt in Alba die leckeren Weine von Angelo und Mary Sassi in San Christoforo bei Neive gekostet. Sie luden uns zu einer Verkostung ein. Es war eine warmherzige und nette Begegnung - vielen Dank!

Und schon ging es weiter nach Acqui Terme, das schon seit der Antike bekannte Thermalbad. Auch hier fühlt man sich in alte Zeiten versetzt, wenn man durch die Gassen bummelt. Die Piazza della Bolente ist der zentrale Platz in Acqui Terme. Dort sprudelt aus dem Brunnen die 75° C heiße schwefelhaltige Thermalquelle. Durch den Geruch und den Dunst hatte man ein gruseliges Gefühl im Vorhof der Hölle zu sein, das noch durch die vielen maskierten Kinderhorden verstärkt wurden, die Halloween feierten.

Leider war das Grand Hotel Nuove Terme der absolute Reinfall. Das Essen war mies, Manfred hatte danach eine Magenverstimmung. Den Service konnte man komplett vergessen. Unser Zimmer war prima, allerdings sollten wir pro Person noch 23 Euro Eintritt für Schwimmbad und Sauna zahlen. Das empfanden wir als unverschämt. Nun haben wir das Beste daraus gemacht, sind einen Tag ans Meer gefahren - durch eine archaisch anmutende Bergwelt. Es war traumhaft.

In Acqui Terme wollten wir nicht mehr bleiben. Kurzfristig entschlossen, sind wir früher abgereist und haben noch einen Tag in Alba verbracht - Ein letzter Gang durch die mittelalterliche Stadt mit den schönen Läden, Einkäufe auf dem Trüffelmarkt, den wunderschönen alten Bars und den vielen guten Restaurants. Wir haben sogar noch einen Platz im Osteria dell'Arco bekommen, das kannten wir von früher und die Qualität war genau so spitze. Also ein guter Abschluss.

Nun müssen wir nur noch die Beute aus dem Auto in den Keller verfrachten. Wir lagen ganz schön tief.

Es hat uns viel Spaß gemacht, mal wieder in Italien zu sein und es war sicherlich nicht das letzte Mal. Was besonders schön war, dass es nicht viele Veränderungen gegeben hat im Piemont. Man sieht, die Menschen haben mehr Geld, aber trotzdem geht es gemächlich voran. Die Zeit ist irgendwie stehen geblieben. Ciao Italia - Wir kommen wieder!

 

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